"Vorsicht immer besser als Nachsicht."

Ein Interview mit Yasin Yildiz, Leiter des Hausnotrufs beim ASB Bad Kreuznach.

Mit dem Hausnotrufwagen ist Yasin Yildiz jederzeit mobil und einsatzbereit.
Foto: ASB/F.Klamt

ASB: Hausnotruf, das klingt ja ein bisschen dramatisch. Ist es wirklich so, dass Notfälle im Mittelpunkt stehen?

Yasin Yildiz: Natürlich sind Notfälle auch ein Bestandteil im Hausnotruf. Wenn also ein Kunde einen Ruf an die Zentrale absetzt und ein notfallmedizinisches Bild beschreibt, werden wir auch hier tätig. Allerdings dürften diese nicht im Mittelpunkt stehen. Der ASB-Hausnotruf soll ermöglichen, in bestimmten Situationen im Alltag Hilfe von uns zu erhalten, die ansonsten durch Angehörige, Bekannte oder Nachbarn zu gewährleisten wäre. Da diese Personengruppen aber zum Teil voll berufstätig sind, in weiterer Entfernung zum Angehörigen oder gar im Ausland leben und nicht 24h greifbar sind, ist es oft nicht möglich, hier Hilfe zu erwarten. In den meisten Fällen sprechen wir von Hilfeleistungen bei zum Beispiel einem Sturz oder Unwohlsein aufgrund körperlicher Gebrechen und Beschwerden.

ASB: Welchen Vorteil habe ich als Kunde des Hausnotrufs gegenüber beispielsweise einem mobilen Telefon?

Yasin Yildiz: Ein kleiner Knopf, der nur wenige Gramm wiegt, ist einfacher zu tragen als ein mobiles Telefon. Zudem kann ich diesen auch in potenziell gefährlichere Bereiche im Haushalt mitnehmen. Zum Beispiel das Badezimmer. In einem Nasszellenbereich besteht immer das Risiko eines Sturzes. Das mobile Telefon dürfte hier vermutlich schnell seine Grenzen kennenlernen. Der kleine, praktische Sender ist spritzwassergeschützt. So kann ich mich auch beim Duschen sicher fühlen.
Eine persönliche Identifikationsnummer, die das Basisgerät bei Anwahl an die Zentrale überträgt, macht es uns möglich, Kundendaten ohne Verzug direkt aufzurufen. Somit ist gewährleistet, dass auch bei einer fehlenden Sprechverbindung direkt erkannt wird, welche Adresse anzufahren ist. Eine Übermittlung der personenbezogenen Daten kann dann im Notfall an die Leitstelle durch unsere Mitarbeiter erfolgen.

ASB: Hausnotrufsysteme sind in Deutschland weniger verbreitet als in anderen Ländern. Was siehst du hier als Hemmschwelle?

Yasin Yildiz: „Ich bin schon immer alleine zurecht gekommen." Diesen Satz hört man immer wieder. Oftmals müssen Angehörige, wie etwa die eigenen Kinder, Geschwister, gute Freunde und sogar wir enorme Überzeugungsarbeit leisten, damit ein Hausnotrufgerät als Absicherung eingerichtet werden kann. „Nur weil ich ein oder zwei Mal hingefallen bin." Auch das hört man oft. Allerdings wird oft nicht erkannt, dass die Vorsicht immer besser als Nachsicht ist. Zumal man nie genau sagen kann, wie der nächste Sturz ausgeht. Blutergüsse, Gelenkverletzungen bis hin zu Knochenbrüchen oder andere Akutfälle kann in so einer Situation keiner vorhersehen.
Hier helfen meistens schon ein bis zwei Erfahrungsberichte anderer Teilnehmer im Hausnotruf, um für sich doch den sichereren Weg zu wählen. Zudem muss man auch sagen, dass hierzulande zu wenig Aufklärungsarbeit im öffentlichen Bereich geleistet wird. Wir vom ASB versuchen dem aber entgegenzuwirken.