02. August 2021

24 Stunden - Einsatz im Ahrtal

Mit dem Krankentransportwagen 2/87-1 waren die Helferinnen und Helfer des ASB Bad Kreuznach über mehrere Tage hinweg im Ahrtal im Einsatz.

Der KTW 2/87-1 nach dem Einsatz

Foto: ASB Bad Kreuznach

Die Alarmierung kam in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2021. Zur Absicherung der im Ahrtal eingesetzten Kräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) sollten mehrere Krankentransportwagen (KTW) unverzüglich in das Schadensgebiet verlegt werden. Mit dabei: Der KTW 2/87-1, ein beim ASB stationiertes Fahrzeug des Landkreis' Bad Kreuznach. Als Treffpunkt der insgesamt drei KTW - von verschiedenen Hilfsorganisationen entsandt - wurde zunächst das Dienstleitungszentrum (DLZ) Katastrophenschutz in Rüdesheim ausgegeben. Von dort ging es, nach kurzer Einweisung, auf direktem Wege über die A61 in das Ahrtal.

Was knapp eine Woche zuvor geschehen war, darüber berichteten die Medien bereits ausführlich. In aller Kürze: Vom 14. auf den 15. Juli 2021 überrollte als Folge eines lokal stehenden Starkregenereignisses (bis 250 l/m²) eine Sturzflut die Gemeinden im Ahrtal. Die Ahr, ein eigentlich unscheinbarer Fluss, erreichte binnen weniger Stunden einen Hochwasserpegel von bis zu 700 cm Höhe (Quelle: SWR Aktuell). Die beschleunigten Wassermassen rissen Bäume und Fahrzeuge mit sich, zerstörten Straßen, Brücken und Häuser. Viele Menschen verloren in der Flut ihr Leben.

Die Lage im ständigen Wandel

Geplant war der Einsatz des mit zwei Rettungssanitätern besetzten KTW 2/87-1 zu Beginn für 24 Stunden. Ein Zeitfenster, das jedoch - wie sich bald herausstellen sollte - nicht zu halten sein würde. Am Ziel angekommen wies die Einsatzleitung des Unterabschnitts Ahrweiler, im Fachterminus UEAL genannt, den KTW 2/87-1 dem Bereitschaftsraum Rodelbahn zu. Dort wartete die Besatzung - zusammen mit Männern und Frauen von Feuerwehr, THW und anderen Hilfsorganisationen - geduldig auf weitere Anweisungen. Diese kamen dann auch in Form von Verlegungsaufträgen. Patienten mussten in Krankenhäuser oder etwa zu Dialyseeinrichtungen verbracht werden. Der ursprüngliche Auftrag, die Absicherung von Einsatzkräften, war zu diesem Zeitpunkt schon beinahe vergessen. Nicht allzu ungewöhnlich in Katastrophengebieten, wo die Lage sich nahezu stündlich ändert und Pläne entsprechend umgeschrieben werden müssen.

Schon am nächsten Tag zeichnete sich ab, dass der Einsatz des KTW 2/87-1 länger andauern würde. Denn die Flut hatte nicht nur die Infrastruktur im Ahrtal nahezu vollständig zerstört, auch eigentlich routinierte Abläufe, die in "normalen" Zeiten vom Regelrettungsdienst getragen werden, konnten nicht mehr stattfinden. Der KTW 2/87-1 wurde dringend gebraucht. Gleichwohl ist es keiner Besatzung möglich, über mehrere Tage hinweg im Einsatz zu stehen. Menschen brauchen Pause; - insbesondere in einer Situation, da man aufgrund unzureichender Versorgungsmöglichkeiten mitunter im Fahrzeug nächtigen muss. Aus der Heimat in Bad Kreuznach wurde daher ein Schichtwechsel organisiert. Fortan würde die Besatzung des KTW 2/87-1 alle 24 Stunden abgelöst werden.

Der Schlamm war allgegenwärtig

Foto: ASB Bad Kreuznach

Ein neuer Auftrag: Dernau

Aus dem Bereitschaftsraum Rodelbahn wurde der KTW 2/87-1, nun mit min. drei Sanitätskräften besetzt, schließlich nach Dernau verlegt; - eine vom Hochwasser schwer getroffene Ortsgemeinde, deren Zufahrtswege in den ersten Tagen nach der Flut unpassierbar waren. Als Teil der Abschnittsleitung Gesundheit (ALG) Dernau nahm das Fahrzeug die Funktion einer mobilen Unfallhilfestelle (UHS) ein. Und dies rund um die Uhr. Während das Gros der Einsatzkräfte über Nacht in die Bereitschaftsräume zurückbeordert wurde, verblieb der KTW 2/87-1 als Anlaufstelle für Helfer und Anwohner vor Ort. Versorgt wurden primär Schnittwunden, Quetschungen, Prellungen, Abschürfungen ... eben all die Verletzungen, die bei Bau- und Aufräumarbeiten entstehen und die sich eingedenk der bescheidenen hygienischen Lage im Einsatzgebiet rasch entzünden können. Als einzig verbliebenes Rettungsmittel stand das Fahrzeug in der Nacht zudem für jede Art von Notfällen zur Verfügung.

Den ehrenamtlich aktiven Helferinnen und Helfern des ASB Bad Kreuznach wurde als Nachtquartier das Pfarrhaus von Dernau angeboten. Während im Erdgeschoss gespendete Lebensmittel lagerten, boten die oberen Zimmer - mit Feldbetten versehen -  eine passable Unterkunft. Es fiel gar der Begriff "Luxus" unter den Helfern. Dass der Keller des Pfarrhauses derweil unter Wasser stand und das Gebäude als potentiell einsturzgefährdet kurze Zeit später geräumt werden musste, ist eine weitere von vielen kleinen Episoden, die man sich im Nachgang noch erzählt.

Sieben Helferinnen und Helfer wechselten sich in den folgenden Tagen bis einschließlich Sonntag, den 25. Juli, als Besatzung des KTW 2/87-1 ab. Hinzu kommen die Helferinnen und Helfer, die bei der Ablösung als Fahrer oder bei der Versorgung mit anpackten. Von medizinischem Ersatzmaterial wie Infusionslösungen zur Wundreinigung bis hin zu Sonnen- und Insektenschutzcreme mussten die Besatzungen des KTW 2/87-1 mit Nachschub beliefert werden. Hin und wieder brauchte es auch einfach 'mal ein paar frische Bananen.

Rückkehr nach Bad Kreuznach

Am Sonntagabend dann kehrte die 2/87-1 mit ihrer letzten Besatzung nach Hause zurück. Nicht nur waren die Helferinnen und Helfer erschöpft, auch das Fahrzeug bedurfte dringend einer Überholung. Der im Schadensgebiet allgegenwärtig Schlamm - feuchter Grund durchsetzt mit Kraftstoffen, Fäkalien und anderem Unrat - war mit den begrenzten Mitteln vor Ort nicht mehr aus dem Fahrzeug zu halten (s. Bild). Ein anderer KTW würde den Platz in Dernau einnehmen.

Soweit die eigenen Mittel es zuließen, half - und hilft - der ASB Bad Kreuznach bei der Bewältigung der Katastrophenlage. Der Einsatz des KTW 2/87-1 ist hierfür nur ein Beispiel. Eingedenk der Fahrzeugkolonnen, die in das Ahrtal rollten, mutet dieser Beitrag vielleicht bescheiden an. Es wurden keine Rekorde aufgestellt oder außergewöhnliche Heldentaten vollbracht. Für die Menschen in Dernau aber waren die ASB-Sanitätskräfte und ihr Fahrzeug wichtig. Denn sie boten Pflaster an, einen Verband, Sonnencreme oder manchmal nur einen Moment Ruhe im Chaos nach der Flut.

Wir vom ASB Bad Kreuznach bedanken uns herzlich bei all unseren Helferinnen und Helfern für ihr Engagement. Nachdem der KTW 2/87-1 nun gereinigt, überholt und neu beladen wurde, steht das Fahrzeug wieder bereit für den nächsten Einsatz. Wann auch immer die Alarmierung kommt.