Ein Jahr Rettungsdienst - mehr als nur Blaulicht
Nach dem Abitur steht bei Jungs traditionell der Zivildienst auf dem Programm. Da ich später ein Medizinstudium anstrebte, dachte ich mir, dass die Arbeit im Rettungsdienst eine passende Vorbereitung ist. Leider musste ich feststellen, dass Zivildienstleistenden dieser Bereich gar nicht mehr angeboten wird.
"Das liegt an der kurzen Zivildienstzeit von nur 9 Monaten - darin liegen 3 Monate für die Ausbildung - dann bleibt nur ein halbes Jahr zur tatsächlichen Mitarbeit.", erklärte mir Herr Immig, der Leiter des Rettungsdienstes beim ASB. Das war natürlich erstmal eine große Enttäuschung für mich. "Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit", sagte er schließlich. Und dann kam es, das Freiwillige Soziale Jahr. Das die Zeit damit 3 Monate länger ist, war für mich kein Problem - schließlich wollte ich ja Erfahrungen sammeln. Und da das FSJ voll als Zivildienst angerechnet wird, war meine Entscheidung schnell gefallen.
Die Ausbildung zum Rettungssanitäter besteht aus einer einmonatigen Schulung, einem einmonatigem Krankenhauspraktikum und schließlich einem einmonatigen Rettungswachenpraktikum. Anschließend findet eine mündliche, schriftliche und praktische Prüfung statt. Bereits während der Schulung stellte ich fest, dass meine Entscheidung genau richtig war - die Inhalte waren einfach genau das, was ich mir erhofft hatte.
Nachdem ich Schulung und Krankenhauspraktikum hinter mir gelassen hatte, ging das Praktikum auf der Rettungswache los. Jetzt wurde ich Teil des Rettungsdienstteams beim ASB. Als Praktikant ist man zwar der dritte Mann, aber alles andere als das dritte Rad am Wagen: Da wird man voll integriert und von Anfang an gefordert. In Notfällen geht es halt wirklich oftmals um Sekunden. bereits jetzt während des Prakiktums musste ich feststellen, dass Notfälle nur ein Teilaspekt des Rettungsdienstes sind. Oft geht es auch ganz ruhig zu. Da werden ältere Leuete zum Arzt gefahren, manchmal auch einfach nur wieder auf die Beine geholfen oder Trost gespendet. Die Einsätze waren so vielfältig und gingen oftmals über rein medizinische Hilfe hinaus. Ich lernte Menschen in bedrückenden Lebenssituationen kennen, aber auch Menschen die trotz schweren Leidens immer noch voller Lebensfreude waren. Und ich musste recht bald erkennen, dass auch der Rettungsdienst nicht immer helfen kann.
Natürlich lässt man nicht alles an sich heran und entwickelt mit der Zeit eine ganz natürliche Distanz zu den Fällen, mit denen man konfrontiert ist - aber Gefühle ganz ausschalten, das konnte ich nie - und die Kollegen zum Glück auch nicht. So haben wir immer unser möglichstes getan, um Leid zu lindern und den Menschen helfen zu können.
Das FSJ im Rettungsdienst war natürlich die von mir angestrebte Vorbereitung in medizinischen Fragen - aber es war auch viel mehr als das, eine Vorbereitung auf das Leben.
Und das im Titel erwähnte Blaulichtfahren - das macht am Anfang natürlich mal Spass, aber später standen für mich da ganz andere Gedanken im Vordergrund. Da ist das nur noch Mittel zum Zweck - schnell beim Patienten ankommen.
